Niemand mag den Bohrer
Hand aufs Herz, was schiebt dich beim Gedanken an den nächsten Zahnarztbesuch am meisten? Bei den meisten ist es dieses hohe Bohrergeräusch. Kein Wunder, dass die Frage so oft kommt: Muss das wirklich sein? Kann man Karies nicht auch ohne Bohren behandeln?
Die kurze Antwort: Ja, manchmal. Ob es ohne Bohrer geht, hängt davon ab, wie weit die Karies schon ist. Um das zu verstehen, schauen wir kurz, was bei Karies eigentlich passiert.
Was ist Karies überhaupt?
Karies ist kein Tier, das deinen Zahn auffrisst, sondern ein chemischer Prozess. In deinem Zahnbelag leben Bakterien, und die mögen Zucker genauso gern wie wir. Wenn sie ihn abbauen, scheiden sie Säure aus.¹ Und Säure löst Mineralien.
Stell dir vor, wie du einen Wasserkocher entkalkst: mit Säure, weil Säure Kalk löst. Genau das passiert am Zahn. Dein Zahnschmelz besteht zum großen Teil aus Mineralien, und die Säure der Bakterien löst sie nach und nach heraus.
Kommt das oft genug vor, etwa weil häufig Zucker im Spiel ist und der Belag nicht weggeputzt wird, entsteht mit der Zeit ein Loch.¹
Lässt sich Karies ohne Bohren stoppen?
Hier kommt es auf das Stadium an. Karies ist ein langsamer Prozess, und am Anfang ist viel zu retten.
Beginnende Karies: Flecken ohne Loch
Zeigt sich Karies nur als weißer oder brauner Fleck und ist die Zahnoberfläche noch intakt, kann es ausreichen, regelmäßig mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen und sich in der Praxis Fluoridlack oder -gel auftragen zu lassen.¹ Fluorid lagert sich in den Zahnschmelz ein und macht ihn widerstandsfähiger gegen Säure.¹ In diesem Stadium kann sich der Zahn also erholen, ganz ohne Bohrer.
Etwas weiter, aber noch kein Loch: die Kariesinfiltration
Ist die Auflösung schon etwas tiefer, aber noch kein Loch entstanden, gibt es ein Verfahren ohne Bohrer, die Kariesinfiltration. Dabei wird der Zahn mit einem dünnfließenden Kunststoff gehärtet und das Fortschreiten gestoppt.¹
Wenn das Loch da ist: füllen
Sobald ein echtes Loch entstanden ist, hilft kein Trick mehr. Verlorene Zahnsubstanz wächst nicht nach.¹ Dann muss die erkrankte Stelle entfernt und der Defekt mit einer Füllung ersetzt werden. Was nach einer Füllung wichtig ist, habe ich dir in einem eigenen Artikel zusammengeschrieben.
Du fragst dich, ob deine Karies noch ohne Bohren behandelt werden kann? Lass es über dentinostic von einem Zahnarzt einschätzen, anonym und in der Regel in unter vier Stunden.
Und was ist mit „Karies natürlich heilen"?
Im Netz kursiert die Idee, Karies allein zuhause mit bestimmten Lebensmitteln wegzubekommen. Da muss ich dich bremsen. Verlorene Zahnsubstanz lässt sich nicht zurückzaubern. Was tatsächlich wirkt, ist gut belegt: Fluorid stärkt den Schmelz, gründliche Mundhygiene entfernt den Belag, und weniger Zucker entzieht den Bakterien die Nahrung.¹ ²
Die ehrlichste Form von „natürlich" ist deshalb Vorbeugung. Putz zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta, halt den Zuckerkonsum im Zaum und geh regelmäßig zur Vorsorge, dort wird beginnende Karies früh entdeckt und kann oft noch ohne Bohrer behandelt werden.¹
Mein Fazit
Nicht jede Karies bedeutet Bohren. Solange die Oberfläche intakt ist, lässt sich beginnende Karies oft mit Fluorid stoppen. Ist das Loch erst da, führt kein Weg an der Füllung vorbei. Der wichtigste Hebel liegt also davor: früh hingehen, statt zu warten, bis es wehtut.

