Die Zunge findet die Naht immer
Nach einer Zahn-OP, etwa einer Extraktion oder einer Weisheitszahn-Entfernung, wird die Wunde oft mit einer Naht verschlossen. Und kaum bist du zuhause, beginnt das Erkunden. Die Zunge wandert ständig zur Stelle, jeder Faden fühlt sich riesig an, und bei jedem Ziehen fragst du dich, ob das so sein darf.
Eine Naht im Mund sieht fast immer wilder aus, als sie ist. Die Mundschleimhaut heilt schnell, und die Naht muss die Wundränder nur für die ersten Tage zusammenhalten.
Was bei einer Naht im Mund normal ist
In der ersten Woche nach dem Eingriff sind diese Dinge üblich und kein Grund zur Sorge:
- ein Spannen oder leichtes Drücken an der Naht, besonders beim Sprechen und Essen
- Fadenenden, die pieksen oder an der Wange reiben
- eine leichte Rötung direkt am Wundrand, denn dort arbeitet die Heilung
- weißliche oder gelbliche Beläge auf der Wunde, das ist Wundbelag und kein Eiter
- ein einzelner Faden, der sich vorzeitig löst, solange die Wunde darunter geschlossen bleibt
Auch dass die Fäden mit Speiseresten und Belag etwas unappetitlich aussehen, ist normal. Die Naht wird je nach Eingriff meist nach etwa sieben bis zehn Tagen entfernt, weil die Weichgewebswunde dann in der Regel verheilt ist,¹ manche Praxen verwenden auch Fäden, die sich von selbst auflösen.
Naht aufgegangen: wie schlimm ist das?
Löst sich ein einzelner Faden, passiert in den meisten Fällen nichts. Die übrigen Fäden halten die Wunde, und kleine offene Stellen verschließt die Schleimhaut von selbst. Anders sieht es aus, wenn die Wunde deutlich auseinanderklafft, wieder stärker blutet oder ein Knochenareal freiliegt. Dann sollte die Stelle zeitnah angesehen werden, gern zuerst per Online-Wundkontrolle mit ein paar Fotos.
Nach dem Ziehen eines Zahns gibt es einen Sonderfall. Löst sich das Blutgerinnsel vorzeitig aus der leeren Zahnhöhle, bleibt die Wunde ungeschützt und der Knochen liegt frei, die sogenannte Alveolitis oder trockene Alveole.² Typisch sind starke Schmerzen, die einige Tage nach dem Eingriff neu auftreten, oft mit üblem Geschmack. Das gehört in die Praxis, ist dort aber gut behandelbar.²
Naht gelöst, gerötet oder unklar, ob die Wunde gut heilt? Lass es über dentinostic von einem Zahnarzt einschätzen, ohne Termin, anonym und innerhalb von 24 Stunden.
Diese Zeichen gehören abgeklärt
Melde dich zeitnah bei deiner Praxis oder hol dir eine Einschätzung, wenn eines davon zutrifft:
- die Wunde ist weit aufgegangen oder blutet erneut anhaltend
- die Schmerzen kehren nach vier bis fünf Tagen zurück und werden stärker, das kann auf eine Wundinfektion hindeuten²
- Eiter tritt aus oder du hast anhaltend üblen Geschmack im Mund
- die Umgebung der Naht wird zunehmend dick, rot und heiß
- du bekommst Fieber
Bei einer schnell zunehmenden Schwellung an Gesicht oder Hals, bei Schluckbeschwerden oder bei Fieber zusammen mit einer Schwellung wende dich sofort an den zahnärztlichen Notdienst deiner Region; eine bundesweite Übersicht der Notdienste verlinkt die Website 116117.de. Bei Atemnot ruf die 112. Mehr zum Thema Schwellung liest du im Artikel Schwellung nach der Zahn-OP.
So unterstützt du die Heilung
Ein paar Regeln machen der Naht das Leben leicht:
- Lass die Stelle in Ruhe: nicht mit der Zunge daran ziehen, nicht mit den Fingern prüfen.
- Putz die übrigen Zähne normal und spare nur den direkten Wundbereich in den ersten Tagen vorsichtig aus, sofern deine Praxis nichts anderes gesagt hat.
- Verzichte möglichst auf Rauchen, es stört die Wundheilung im Mund.²
- Meide in den ersten Tagen sehr heiße Getränke, Alkohol sowie Anstrengung wie Sport und Sauna.²
- Kaue auf der anderen Seite und wähle eher weiche Kost.
Eine gesunde Wunde wird jeden Tag ein bisschen unauffälliger. Alles, was von Tag zu Tag lauter wird, Schmerz, Schwellung, Geruch, gehört angesehen.
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Mein Fazit
Spannen, leichtes Drücken, gerötete Wundränder und piksende Fadenenden sind nach einer Zahn-OP normal, und auch ein einzelner gelöster Faden ist meist harmlos. Abklären lassen solltest du eine klaffende Wunde, Schmerzen, die nach einigen Tagen zurückkehren oder zunehmen, Eiter, üblen Geschmack und wachsende Schwellungen. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh zeigen als einmal zu spät.

