Warum blutet das Zahnfleisch in der Schwangerschaft häufiger?
Viele Schwangere bemerken, dass ihr Zahnfleisch leichter blutet und gereizter ist als sonst. Das liegt an der hormonellen Umstellung: Durch die veränderten Hormonwerte wird das Zahnfleisch stärker durchblutet und empfindlicher, sodass schon kleine Belagmengen am Zahnfleischrand eine Entzündung auslösen können.¹ Man spricht dann von einer Schwangerschaftsgingivitis. Die gute Nachricht: Eine solche Zahnfleischentzündung kann ausheilen, wenn der Zahnbelag gründlich entfernt wird.¹ ²
Stimmt es, dass jede Schwangerschaft einen Zahn kostet?
Dieser Spruch hält sich hartnäckig, und die Erklärung dahinter, das Baby ziehe Kalzium aus den Zähnen der Mutter, ist schlicht falsch. Fertig gebildeter Zahnschmelz gibt kein Kalzium an das Blut ab. Das Baby kann ihm deshalb kein Kalzium entziehen. Dass Zähne in der Schwangerschaft trotzdem mehr leiden können, hat andere Gründe: das empfindlichere Zahnfleisch, Säure durch Erbrechen, ein veränderter Speichel und eine Mundpflege, die bei Übelkeit gern mal leidet. Anders gesagt: Du kannst deine Zähne behalten, wenn du in dieser Zeit gut auf sie achtest.
Übelkeit und Erbrechen: was du danach für die Zähne tun kannst
Wenn dir morgens übel ist, ist die Zahnbürste oft das Letzte, wonach dir der Sinn steht. Kommt es zum Erbrechen, gerät Magensäure an die Zähne und weicht den Schmelz an. Dein Speichel neutralisiert die Säure mit der Zeit von selbst, und du kannst nachhelfen, indem du den Mund danach mit Wasser ausspülst, das verdünnt die Säure. Eine fluoridhaltige Zahnpasta unterstützt den Schmelz zusätzlich. Wichtiger als der genaue Zeitpunkt ist, dass du überhaupt regelmäßig und gründlich putzt.
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Welche Zahnbehandlung ist in der Schwangerschaft möglich?
Notwendige Zahnbehandlungen musst du nicht auf die Zeit nach der Geburt verschieben, im Gegenteil: Unbehandelte Entzündungen oder starke Schmerzen belasten dich und die Schwangerschaft eher.³ Für planbare Eingriffe und die Kontrolle gilt das zweite Schwangerschaftsdrittel, etwa zwischen der 13. und 21. Woche, als besonders günstiges Zeitfenster.³ Auch örtliche Betäubungen sind in der Schwangerschaft möglich.⁴ Eine fluoridhaltige Zahnpasta kannst du weiter bedenkenlos verwenden.⁴ Geh am besten schon früh in der Schwangerschaft, oder noch besser bei Kinderwunsch, einmal zur Kontrolle, damit Karies oder Entzündungen rechtzeitig behandelt werden.³
Parodontitis und Schwangerschaft: was bekannt ist
Es gibt Studien, die bei Schwangeren mit einer schweren Parodontitis ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt oder ein geringes Geburtsgewicht beschreiben.¹ Damit ist nicht bewiesen, dass die Parodontitis die Frühgeburt oder das geringe Geburtsgewicht verursacht, aber ein guter Grund mehr, eine Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft ernst zu nehmen und behandeln zu lassen.¹ Bei deutlichem Zahnfleischbluten oder sich lockernden Zähnen gehört das in zahnärztliche Hände.
Deine Zahnpflege in der Schwangerschaft
Die wichtigste Maßnahme ist und bleibt eine gute Mundhygiene, denn die Entzündungen entstehen vor allem dort, wo Belag liegen bleibt.² ³
- Putz zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta und einer weichen Zahnbürste.
- Reinige täglich die Zahnzwischenräume.
- Spül nach dem Erbrechen den Mund mit Wasser.
- Nimm bei deutlichem Zahnfleischbluten, Schmerzen oder Zahnfleischwucherungen einen Termin wahr.
- Geh zur regelmäßigen Kontrolle und nutze dein Bonusheft.
Eine kleine, gutartige Zahnfleischwucherung, das sogenannte Schwangerschaftsgranulom, kann in dieser Zeit auftreten. Sie ist harmlos und bildet sich nach der Schwangerschaft meist von selbst zurück. Lass die Wucherung trotzdem einmal zahnärztlich untersuchen.
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Mein Fazit
In der Schwangerschaft entzündet sich das Zahnfleisch leichter. Magensäure, die beim Erbrechen an die Zähne gelangt, kann den Zahnschmelz angreifen. Verlieren musst du deswegen keinen Zahn, der alte Spruch stimmt nicht. Mit gründlicher Pflege, einem frühen Kontrolltermin und einer Behandlung im zweiten Drittel, falls nötig, kommst du gut durch diese Zeit.
