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Zähne in der Schwangerschaft: was du wissen solltest

In der Schwangerschaft blutet das Zahnfleisch leichter und die Zähne sind anfälliger. Eine Zahnärztin erklärt, warum das so ist, was vom Spruch jede Schwangerschaft kostet einen Zahn zu halten ist und wie du gut durch diese Zeit kommst.

3 Min. Lesezeit

Dr. med. dent. Tina Mandel, medizinische Leitung von dentinostic
Medizinisch geprüft von
Dr. med. dent. Tina Mandel
Fachzahnärztin für Oralchirurgie · Zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2026

Auf einen Blick

Durch die hormonelle Umstellung wird das Zahnfleisch in der Schwangerschaft empfindlicher und blutet leichter, man spricht von einer Schwangerschaftsgingivitis. Sie ist umkehrbar, wenn der Belag gründlich entfernt wird. Der Spruch jede Schwangerschaft koste einen Zahn ist falsch, dem Schmelz wird kein Kalzium entzogen. Belastend sind eher Säure durch Erbrechen und vernachlässigte Pflege. Notwendige Zahnbehandlungen sind möglich, planbare Eingriffe am besten im zweiten Drittel. Die wichtigste Maßnahme bleibt eine gründliche Mundhygiene plus regelmäßige Kontrolle.

Warum blutet das Zahnfleisch in der Schwangerschaft häufiger?

Viele Schwangere bemerken, dass ihr Zahnfleisch leichter blutet und gereizter ist als sonst. Das liegt an der hormonellen Umstellung: Die veränderten Hormonwerte machen das Zahnfleisch stärker durchblutet und empfindlicher, sodass schon kleine Belagmengen am Zahnfleischrand eine Entzündung auslösen können.¹ Man spricht dann von einer Schwangerschaftsgingivitis. Die gute Nachricht: Eine solche Zahnfleischentzündung ist umkehrbar, wenn der Belag gründlich entfernt wird.¹ ²

Stimmt es, dass jede Schwangerschaft einen Zahn kostet?

Dieser Spruch hält sich hartnäckig, und die Erklärung dahinter, das Baby ziehe Kalzium aus den Zähnen der Mutter, ist schlicht falsch. Einmal fertig gebildeter Zahnschmelz ist stoffwechselinaktiv und gibt kein Kalzium ans Blut ab, diesen Mechanismus gibt es nicht. Dass Zähne in der Schwangerschaft trotzdem mehr leiden können, hat andere Gründe: das empfindlichere Zahnfleisch, Säure durch Erbrechen, ein veränderter Speichel und eine Mundpflege, die bei Übelkeit gern mal leidet. Anders gesagt: Du kannst deine Zähne behalten, wenn du in dieser Zeit gut auf sie achtest.

Übelkeit und Erbrechen: was du danach für die Zähne tun kannst

Wenn dir morgens übel ist, ist die Zahnbürste oft das Letzte, wonach dir der Sinn steht. Kommt es zum Erbrechen, gerät Magensäure an die Zähne und weicht den Schmelz an. Dein Speichel neutralisiert die Säure mit der Zeit von selbst, und du kannst nachhelfen, indem du den Mund danach mit Wasser ausspülst, das verdünnt die Säure. Eine fluoridhaltige Zahnpasta unterstützt den Schmelz zusätzlich. Wichtiger als jedes Timing ist, dass du überhaupt regelmäßig und gründlich putzt.

Welche Zahnbehandlung ist in der Schwangerschaft möglich?

Notwendige Zahnbehandlungen musst du nicht auf die Zeit nach der Geburt verschieben, im Gegenteil: Unbehandelte Entzündungen oder starke Schmerzen belasten dich und die Schwangerschaft eher.³ Für planbare Eingriffe und die Kontrolle gilt das zweite Schwangerschaftsdrittel, etwa zwischen der 13. und 21. Woche, als besonders günstiges Zeitfenster.³ Auch örtliche Betäubungen sind in der Schwangerschaft möglich.⁴ Eine fluoridhaltige Zahnpasta kannst du weiter bedenkenlos verwenden.⁴ Geh am besten schon früh in der Schwangerschaft, oder noch besser bei Kinderwunsch, einmal zur Kontrolle, damit Karies oder Entzündungen rechtzeitig behandelt werden.³

Parodontitis und Schwangerschaft: was bekannt ist

Hier ist mir eine sachliche Einordnung wichtig, ohne Panik. Es gibt Studien, die bei Schwangeren mit einer schweren Parodontitis ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt oder ein geringes Geburtsgewicht beschreiben.¹ Ein eindeutiger ursächlicher Beweis ist das nicht, aber ein guter Grund mehr, eine Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft ernst zu nehmen und behandeln zu lassen.¹ Bei deutlichem Zahnfleischbluten oder sich lockernden Zähnen gehört das in zahnärztliche Hände.

Deine Zahnpflege in der Schwangerschaft

Die wichtigste Maßnahme ist und bleibt eine gute Mundhygiene, denn die Entzündungen entstehen vor allem dort, wo Belag liegen bleibt.² ³

  • Putz zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta und einer weichen Zahnbürste.
  • Reinige täglich die Zahnzwischenräume.
  • Spül nach dem Erbrechen den Mund mit Wasser.
  • Nimm bei deutlichem Zahnfleischbluten, Schmerzen oder Zahnfleischwucherungen einen Termin wahr.
  • Geh zur regelmäßigen Kontrolle und nutze dein Bonusheft.

Eine kleine, gutartige Zahnfleischwucherung, das sogenannte Schwangerschaftsgranulom, kann in dieser Zeit auftreten. Sie ist harmlos und bildet sich nach der Schwangerschaft meist von selbst zurück. Lass sie trotzdem einmal anschauen.

Unsicher, wie du deine Zähne in der Schwangerschaft am besten pflegst oder ob ein Befund Behandlung braucht? Lass es über dentinostic von einem Zahnarzt einschätzen, anonym und in der Regel in unter vier Stunden.

Mein Fazit

In der Schwangerschaft sind die Hormone nicht immer auf Seiten deiner Zähne: Das Zahnfleisch entzündet sich leichter, und Säure durch Übelkeit kann den Schmelz angreifen. Verlieren musst du deswegen keinen Zahn, der alte Spruch stimmt nicht. Mit gründlicher Pflege, einem frühen Kontrolltermin und einer Behandlung im zweiten Drittel, falls nötig, kommst du gut durch diese Zeit.

Häufige Fragen

Warum blutet mein Zahnfleisch in der Schwangerschaft?
Durch die hormonelle Umstellung wird das Zahnfleisch stärker durchblutet und empfindlicher, sodass schon wenig Belag eine Entzündung auslösen kann. Diese Schwangerschaftsgingivitis ist umkehrbar, wenn der Belag gründlich entfernt wird.
Stimmt es, dass jede Schwangerschaft einen Zahn kostet?
Nein. Dem Zahnschmelz wird kein Kalzium für das Baby entzogen, diesen Mechanismus gibt es nicht. Dass Zähne mehr leiden können, liegt am empfindlicheren Zahnfleisch, an Säure durch Erbrechen und an vernachlässigter Pflege. Mit guter Pflege behältst du deine Zähne.
Was soll ich nach dem Erbrechen für die Zähne tun?
Spül den Mund mit Wasser aus, das verdünnt die Magensäure, die der Speichel ohnehin nach und nach neutralisiert. Eine fluoridhaltige Zahnpasta stärkt den Schmelz zusätzlich. Wichtiger als der Zeitpunkt ist, dass du regelmäßig und gründlich putzt.
Darf ich in der Schwangerschaft zum Zahnarzt und mich behandeln lassen?
Ja. Notwendige Behandlungen sollten nicht aufgeschoben werden, und auch örtliche Betäubungen sind möglich. Planbare Eingriffe und Kontrollen legt man am besten ins zweite Schwangerschaftsdrittel.
Ist fluoridhaltige Zahnpasta in der Schwangerschaft unbedenklich?
Ja, fluoridhaltige Zahnpasta wird in der Schwangerschaft weiter empfohlen. Sie stärkt den Zahnschmelz und schützt vor Karies.

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Quellen

  1. Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Parodontitis, Ursachen und Auswirkungen. Stand Juni 2025, abgerufen im Juni 2026.
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Zahnfleischentzündung und Parodontitis. Aktualisiert am 23. August 2023, abgerufen im Juni 2026.
  3. Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Mundgesundheit in der Schwangerschaft (Information zum Tag der Zahngesundheit 2024). Abgerufen im Juni 2026.
  4. Arzneimittelkommission der Bundeszahnärztekammer: Zahnärztliche Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit, 2010. Abgerufen im Juni 2026.

Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung. Bei Beschwerden wende dich an eine Praxis.

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