Spielt mein Zahnarzt Schiffe versenken?
Du sitzt auf dem Stuhl, der Mund ist offen, und über dir geht es los: „31 ob, 41 zst, 44 f, 46 c, 47 k". Spätestens wenn die Assistenz nachfragt, klingt das, als würden die beiden Schiffe versenken spielen. Keine Sorge, dein Zahnarzt verheimlicht dir nichts. Er diktiert nur für jeden einzelnen Zahn den Befund, auch für die gesunden, damit sich beim nächsten Mal vergleichen lässt, was sich verändert hat.
Und das Schöne: Das System dahinter ist wirklich einfach. Nach diesem Artikel liest du deinen Befund selbst.
Die Ziffern: welcher Zahn ist gemeint?
Jeder Zahn hat eine zweistellige Nummer. Die erste Ziffer steht für den Quadranten, die zweite für die Position.
Die erste Ziffer: der Quadrant
Das Gebiss wird in vier Viertel geteilt, in der Mitte und zwischen Ober- und Unterkiefer. Gezählt wird immer aus deiner Sicht:
- Oben rechts ist der 1. Quadrant
- Oben links ist der 2. Quadrant
- Unten links ist der 3. Quadrant
- Unten rechts ist der 4. Quadrant
Bei Milchzähnen werden die Quadranten mit 5 bis 8 beziffert, damit man sie von den bleibenden Zähnen unterscheiden kann.
Die zweite Ziffer: die Position
Die zweite Ziffer zählt von der Mitte nach hinten. Der mittlere Schneidezahn ist die 1, der Eckzahn die 3, der Weisheitszahn die 8. Ein Beispiel: Zahn 13 ist der Eckzahn oben rechts. Zahn 46 ist der erste große Backenzahn unten rechts.
Dieses Zahlensystem ist international genormt, man nennt es FDI-Schema. Es sorgt dafür, dass jede Praxis und jedes Labor weltweit denselben Zahn meint, wenn von 36 oder 21 die Rede ist.¹
Die Kürzel: was ist mit dem Zahn?
Nach den beiden Ziffern folgt meist ein Kürzel für den Zustand. Häufig genutzt werden:
- ob: ohne Befund, der Zahn ist unauffällig
- c: Karies
- f: Zahn fehlt
- zst: Zahnstein
- k: der Zahn trägt eine Krone
- b: der Zahn ist Teil einer Brücke
- x: der Zahn soll entfernt werden
„31 ob" ist also eine gute Nachricht, der untere linke Schneidezahn ist unauffällig. „46 c" heißt, der erste Backenzahn unten rechts hat Karies.
Ein wichtiger Hinweis: Diese Buchstaben sind keine bundesweit einheitliche Norm wie die Zahlen, sondern eine eingespielte Kurzschrift, die von Praxis zu Praxis etwas abweichen kann. Im Zweifel lohnt sich die Nachfrage.
Die Königsklasse: die Zahnflächen
Für genauere Befunde wird auch noch die betroffene Fläche des Zahns benannt:
- mesial: die Seite, die zur Mitte zeigt
- distal: die Seite, die zum Ende der Zahnreihe zeigt
- okklusal: die Kaufläche, bei Schneidezähnen auch inzisal
- oral: die Innenseite zum Mund hin, oben auch palatinal, unten lingual genannt
- vestibulär: die Außenseite zu Wange oder Lippe, vorne auch labial
Diktiert dein Zahnarzt „46 c mod", hat der erste Backenzahn unten rechts also Karies an drei Flächen, mesial, okklusal und distal. Damit sprichst du schon ziemlich fließend Zahnärztisch.
Du hast einen Befund bekommen und verstehst ihn nicht ganz? Lass ihn dir über dentinostic von einem Zahnarzt erklären, anonym und in der Regel in unter vier Stunden.
Mein Fazit
Der Zahnarzt-Befund ist keine Geheimsprache. Zwei Ziffern sagen, welcher Zahn gemeint ist, ein Kürzel beschreibt seinen Zustand, und eine Flächenangabe macht es genau. Die Zahlen sind weltweit genormt, die Buchstaben können je nach Praxis variieren. Und wenn dir doch etwas unklar bleibt, frag einfach nach, dafür ist der Befund da.

