Was ist eine Zahnwurzelentzündung?
Bei einer Zahnwurzelentzündung ist der Nerv im Inneren eines Zahns entzündet oder das Gewebe an der Spitze seiner Wurzel. Dahinter steckt meist eine tiefe Karies, die bis zum Nerv vorgedrungen ist. Der Zahn tut dann oft weh, pochend und nachts besonders stark. Ohne Behandlung beim Zahnarzt heilt die Entzündung in der Regel nicht aus. [1]
Welche Beschwerden du hast und wie der Zahnarzt behandelt, hängt davon ab, wo die Entzündung sitzt. Ist der Nerv im Zahn entzündet, heißt das Pulpitis. Der Nerv ist das weiche Gewebe mit Nervenfasern und feinen Blutgefäßen im Inneren des Zahns und seiner Wurzelkanäle, auch Zahnmark oder Pulpa genannt. Sitzt die Entzündung an der Wurzelspitze, heißt das apikale Parodontitis, apikal bedeutet „an der Spitze“. Entzündet sind dann die Wurzelhaut, die den Zahn im Kieferknochen hält, und der Knochen selbst. Eine apikale Parodontitis entsteht meist aus einer Pulpitis, wenn der Nerv abgestorben ist. [2]
Zahnwurzelentzündung oder Zahnfleischentzündung?
Eine Zahnfleischentzündung beginnt außen am Zahnfleischrand, eine Zahnwurzelentzündung geht vom Inneren des Zahns aus. Bei einer Gingivitis ist nur das Zahnfleisch entzündet. Greift die Entzündung vom Zahnfleisch auf die Wurzelhaut und den Knochen über, heißt sie Parodontitis, bekannter als Parodontose. Gingivitis und Parodontitis entstehen durch Beläge am Zahnfleischrand, tun meist wenig weh und fallen eher durch Zahnfleischbluten auf.
Die apikale Parodontitis betrifft dasselbe Gewebe wie die Parodontitis und wird leicht mit ihr verwechselt. Sie sitzt aber an der Wurzelspitze, und ihre Ursache liegt im Inneren des Zahns. Deshalb wird sie über die Wurzelkanäle behandelt und nicht mit einer Zahnfleischbehandlung.
Wie entsteht eine Zahnwurzelentzündung?
Die häufigste Ursache ist Karies. Wird ein Loch im Zahn nicht behandelt, dringen die Kariesbakterien immer tiefer ein, bis sie den Zahnnerv erreichen. Seltener lösen ein Riss im Zahn, ein Unfall oder eine undichte Füllung die Entzündung aus. [1]
Der Nerv reagiert mit einer Entzündung, der Pulpitis. Das entzündete Gewebe schwillt an. Weil der Zahn ringsum hart ist, kann es nicht ausweichen, und der Druck reizt die Nervenfasern. Darum kann eine Pulpitis so stark wehtun. [2]
Im frühen Stadium kann sich der Nerv noch erholen, wenn die Ursache rechtzeitig beseitigt wird. Ist die Entzündung weiter fortgeschritten, erholt sich der Nerv nicht mehr, und ohne Behandlung stirbt er irgendwann ab. Im Befund heißt die frühe Pulpitis reversibel, also umkehrbar, und die fortgeschrittene irreversibel. Ein Zahn mit abgestorbenem Nerv heißt dort devital. [3]
Ist der Nerv abgestorben, wird das Innere des Zahns nicht mehr durchblutet, und die körpereigene Abwehr kommt nicht mehr hinein. Die Bakterien können sich in den Wurzelkanälen ungestört vermehren. Durch eine winzige Öffnung an der Wurzelspitze gelangen sie und ihre Giftstoffe nach außen und entzünden dort die Wurzelhaut und den Knochen. Das ist die apikale Parodontitis. [1, 4]
An der Wurzelspitze kann die Entzündung lange bestehen, ohne wehzutun. Oft bildet sich dort ein kleiner, örtlich begrenzter Entzündungsherd. Im Befund heißt er Granulom. [5] Die Entzündung kann aber jederzeit akut werden, also plötzlich aufflammen. Dann kann sich Eiter bilden. Sammelt er sich im Gewebe an, spricht man von einem Abszess. Ein Abszess kann das Zahnfleisch über der Wurzel anschwellen lassen oder die ganze Wange, die typische dicke Backe. [2] Das kann schnell gehen. Mit einer Schwellung am Zahnfleisch oder an der Wange solltest du deshalb noch heute oder spätestens am nächsten Tag zum Zahnarzt. Wird sie größer, musst du sofort zum Notdienst.
Welche Symptome hat eine Zahnwurzelentzündung?
Meistens macht eine Zahnwurzelentzündung Zahnschmerzen: bei Kälte, Wärme oder Süßem, beim Kauen oder ganz ohne Auslöser, oft pochend. Manchmal schwillt das Zahnfleisch oder die Wange an. Pulpitis und apikale Parodontitis gehen oft ineinander über, deshalb kannst du Beschwerden aus beiden Listen gleichzeitig haben.
Symptome einer Pulpitis
Wie sich eine Pulpitis anfühlt, hängt vom Stadium ab. Bei einer frühen, noch umkehrbaren Pulpitis gibt es oft nur einen kurzen Schmerz bei Kälte oder Süßem, der gleich wieder vorbei ist. Das kann allerdings auch an empfindlichen Zahnhälsen liegen. Bei einer fortgeschrittenen Pulpitis sind diese Beschwerden typisch:
- Kälte, Wärme oder Süßes lösen einen Schmerz aus, der nicht gleich wieder aufhört, sondern noch eine Weile nachklingt.
- Der Zahn tut auch ohne Auslöser weh. Er pocht oder pulsiert, besonders im Liegen und nachts, weil dann mehr Blut in den Kopf fließt.
- Der Schmerz strahlt in den Kiefer, ins Ohr oder in die Schläfe aus. Oft kannst du nicht sagen, welcher Zahn es ist, manchmal nicht einmal, ob er oben oder unten sitzt.
- In einem späten Stadium verstärkt Wärme den Schmerz, und Kälte lindert ihn. Manche halten dann ständig kaltes Wasser im Mund.
Symptome einer Entzündung an der Wurzelspitze
Bei einer apikalen Parodontitis ist der Zahnnerv meistens schon abgestorben. Ist das der Fall, reagiert der Zahn nicht mehr auf Kälte. [5] Wehtun kann er trotzdem, denn die Wurzelhaut und der Knochen um die Wurzel haben eigene Nervenfasern. Typisch sind diese Beschwerden:
- Der Zahn ist klopfempfindlich: Er schmerzt beim Kauen, beim Zubeißen oder wenn man darauf klopft.
- Er fühlt sich an, als stünde er etwas höher als die anderen Zähne, und du beißt zuerst auf ihn. Das liegt daran, dass die geschwollene Wurzelhaut ihn ein kleines Stück aus dem Knochen schiebt.
- Das Zahnfleisch über der Wurzel oder die Wange schwillt an. [2]
- Am Zahnfleisch bildet sich ein kleines Bläschen, aus dem Eiter austritt, oft mit einem schlechten Geschmack im Mund. Das ist eine Fistel, ein Abflussweg für den Eiter. Weil der Druck darüber entweicht, tut der Zahn dann meist kaum weh. [1]
Eine chronische, also seit Langem bestehende Entzündung an der Wurzelspitze macht oft gar keine Beschwerden. Sie wird dann erst zufällig auf einem Röntgenbild entdeckt. [5]
Mit Warnzeichen wie Fieber oder einer Schwellung, die größer wird, gehst du sofort zum Notdienst. Ohne Warnzeichen kannst du deine Beschwerden auch online einschätzen lassen.
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Welche Symptome im Körper kann eine Zahnwurzelentzündung auslösen?
Eine Zahnwurzelentzündung kann Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl und geschwollene Lymphknoten am Hals auslösen. [4, 6] Fieber und Krankheitsgefühl zeigen, dass sich die Entzündung über die Umgebung des Zahns hinaus ausbreitet. Dann musst du sofort zum zahnärztlichen Notdienst. Sind nur die Lymphknoten geschwollen, solltest du noch heute oder spätestens am nächsten Tag zum Zahnarzt. Er entscheidet dann auch, ob du zusätzlich zur Behandlung am Zahn ein Antibiotikum brauchst. [4] Alle Warnzeichen stehen unten im Abschnitt zur Dringlichkeit.
Gefährlich wird es, wenn sich der Eiter vom Zahn aus in den Mundboden unter der Zunge oder in den Hals ausbreitet. Die Schwellung macht dann Schlucken und Mundöffnen schwer und kann im schlimmsten Fall die Atmung behindern. Selten gelangen die Bakterien auch ins Blut und lösen eine Blutvergiftung aus, eine Sepsis. [6] Eine dicke Backe mit Fieber muss deshalb sofort behandelt werden.
Die Wurzeln der oberen Backenzähne liegen dicht unter der Kieferhöhle, der größten Nasennebenhöhle. Eine Entzündung an der Wurzelspitze eines dieser Zähne kann auf die Kieferhöhle übergreifen. Typisch ist dann, dass nur eine Seite betroffen ist, oft mit übel riechendem Schleim aus der Nase. Hinter einer einseitigen Kieferhöhlenentzündung steckt in bis zu 40 Prozent der Fälle eine Ursache an einem Zahn, etwa eine Entzündung an der Wurzelspitze oder die Folge einer Zahnbehandlung. [7] Ein Antibiotikum allein reicht dann nicht, der Zahn muss mitbehandelt werden. [7] Lass deshalb auch den Zahn untersuchen. Ein normaler Termin reicht, solange du kein Fieber und keine Schwellung hast und der Zahn nicht stark wehtut. Es geht auch andersherum: Bei einer Erkältung mit entzündeter Kieferhöhle können gesunde obere Backenzähne schmerzen.
Manche fragen sich, ob ihre Gelenk- oder Rückenschmerzen von einem entzündeten Zahn kommen. An einem einzelnen Symptom lässt sich das nicht erkennen. Ob ein Zusammenhang besteht, müssen Arzt und Zahnarzt gemeinsam klären.
Kann eine Zahnwurzelentzündung von selbst heilen?
In der Regel nicht, denn die Entzündung geht so lange weiter, wie ihre Ursache besteht. Bei einer Pulpitis ist das meistens die Karies, die sich weiter in den Zahn frisst. Bei einer apikalen Parodontitis sind es die Bakterien in einem Zahn mit abgestorbenem Nerv. Weil sein Inneres nicht mehr durchblutet wird, kommen weder die körpereigene Abwehr noch ein Antibiotikum aus dem Blut an sie heran. Sie müssen bei einer Behandlung aus dem Zahn entfernt werden. [4]
Eine Ausnahme gibt es: Ist die Ursache schon beseitigt, etwa weil der Zahn gerade eine neue, tiefe Füllung bekommen hat, kann sich der gereizte Nerv bei einer frühen, umkehrbaren Pulpitis in den Tagen und Wochen danach von selbst erholen.
Wenn ein Zahn tagelang stark wehgetan hat und dann plötzlich Ruhe gibt, ist das kein Zeichen von Heilung. Meistens ist dann der Nerv abgestorben. Die Entzündung geht an der Wurzelspitze weiter, und dort kann sich ein Abszess bilden. [8] Auch eine Entzündung an der Wurzelspitze, die nicht wehtut, ist nicht ausgeheilt. Lass den Zahn deshalb auch ohne Schmerzen untersuchen. Ein normaler Termin reicht, solange keine Schwellung und kein Fieber dazukommen.
Wie dringend ist eine Zahnwurzelentzündung?
Das hängt davon ab, wie stark deine Beschwerden sind und ob es Zeichen gibt, dass sich die Entzündung ausbreitet.
Bei Atemnot ruf sofort die 112.
Sofort zum zahnärztlichen Notdienst oder in die Notaufnahme eines Krankenhauses musst du, wenn
- die Schwellung größer wird oder sich Richtung Auge oder Hals ausbreitet,
- du Fieber hast oder dich insgesamt krank fühlst,
- du schlecht schlucken oder den Mund kaum noch öffnen kannst.
Diese Warnzeichen bedeuten, dass sich die Entzündung über die Umgebung des Zahns hinaus ausbreitet. Dann muss die Ursache sofort behandelt werden, oft zusätzlich mit einem Antibiotikum und manchmal im Krankenhaus. [6] Den Notdienst deiner Region nennt dir die Kassenzahnärztliche Vereinigung deines Bundeslandes. Auf der Website 116117.de findest du außerdem einen Link zu einer bundesweiten Übersicht. [9] Mit diesen Warnzeichen hilft dir eine Online-Einschätzung nicht weiter, du brauchst eine Behandlung vor Ort.
Hast du ein geschwächtes Immunsystem, etwa durch eine Chemotherapie oder durch Medikamente, die die Abwehr unterdrücken, können diese Warnzeichen fehlen, obwohl sich die Entzündung ausbreitet. [6] Mit starken Zahnschmerzen oder einer Schwellung gehst du dann noch heute zum Zahnarzt, am Wochenende und an Feiertagen zum Notdienst, und sagst dort, welche Medikamente du nimmst.
Noch heute oder spätestens am nächsten Tag solltest du zum Zahnarzt, wenn
- du starke oder pochende Schmerzen hast oder der Zahn dich nachts weckt,
- ein Schmerz nach Kälte oder Wärme lange nachklingt oder der Zahn bei jedem Zubeißen wehtut,
- Zahnfleisch oder Wange geschwollen sind, die Schwellung aber nicht größer wird,
- die Lymphknoten am Hals geschwollen sind oder
- sich eine Fistel gebildet hat.
Ruf in einer Praxis an und sag, welche Beschwerden du hast und seit wann. Viele Praxen halten Termine für Schmerzpatienten frei, auch wenn du dort sonst nicht in Behandlung bist. Am Wochenende und an Feiertagen gehst du damit zum zahnärztlichen Notdienst.
Ein normaler Termin reicht, wenn
- ein Zahn nur ab und zu beim Kauen drückt oder kurz auf Kälte reagiert und sonst Ruhe gibt,
- ein Zahn nach tagelangen starken Schmerzen plötzlich nicht mehr wehtut oder
- dein Zahnarzt auf einem Röntgenbild eine Entzündung an der Wurzelspitze gesehen hat, die dir keine Beschwerden macht.
Das ist kein Notfall, sollte aber abgeklärt werden. Eine Entzündung an der Wurzelspitze wird meistens behandelt, auch wenn sie nicht wehtut. Manchmal reicht es, abzuwarten und zu kontrollieren, zum Beispiel wenn der Zahn erst vor Kurzem wurzelbehandelt wurde und die Stelle gerade abheilt. Wird es in der Zwischenzeit schlimmer, richte dich nach den Punkten oben.
Für andere Zahnbeschwerden hilft dir der Artikel Wie dringend muss ich zum Zahnarzt? weiter.
Hast du keines der Warnzeichen, bist aber unsicher, wie dringend deine Beschwerden sind, kann ein Zahnarzt von dentinostic sie online einschätzen. Bekommst du erst in ein paar Tagen einen Termin, sagt er dir, ob du so lange warten kannst oder früher zum Zahnarzt solltest, und was dir bis dahin hilft.
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Was hilft bis zum Zahnarzttermin?
Kühlen, ein Schmerzmittel und Schlafen mit erhöhtem Kopf lindern die Schmerzen, bis du beim Zahnarzt bist. Die Entzündung selbst kann nur er behandeln. So gehst du vor:
- Kühl die Wange von außen. Leg dabei ein Tuch zwischen Haut und Kühlpack und mach immer wieder Pausen. Wärme, Rotlicht oder warme Wickel solltest du vermeiden, weil sie eine eitrige Entzündung verstärken können. [10]
- Schlaf mit erhöhtem Kopf, zum Beispiel mit einem zweiten Kissen. Im Liegen pocht der Zahn stärker.
- Nimm bei Bedarf ein rezeptfreies Schmerzmittel. Bei Zahnschmerzen wird oft Ibuprofen empfohlen, weil es zusätzlich die Entzündung hemmt. Wenn du Ibuprofen nicht verträgst, ist Paracetamol eine Alternative. [10, 11] Halte dich an die Packungsbeilage. Solche Mittel sind nur für wenige Tage gedacht, und die Tageshöchstdosis darfst du nicht überschreiten. [11] Wenn du Vorerkrankungen hast, schwanger bist oder andere Medikamente nimmst, frag in der Apotheke nach.
- Nimm gegen die Zahnschmerzen keine Acetylsalicylsäure (ASS). ASS hemmt die Blutgerinnung. Muss der Zahnarzt einen Abszess öffnen oder den Zahn ziehen, blutet es dann stärker. [10] Nimmst du ASS dauerhaft, etwa für das Herz, setz das Medikament nicht auf eigene Faust ab, sondern sag deinem Zahnarzt Bescheid.
- Kau auf der anderen Seite und iss nichts sehr Heißes, sehr Kaltes oder Süßes, solange der Zahn darauf reagiert.
- Putz deine Zähne weiter, an der schmerzenden Stelle vorsichtig.
Drück nicht auf einer Schwellung oder einer Fistel herum, und stich nichts selbst auf. Hausmittel wie Nelkenöl können den Schmerz kurz betäuben, reizen aber manchmal die Mundschleimhaut. [12] An die Entzündung selbst kommen sie nicht heran. [10]
Wird die Schwellung größer, bekommst du Fieber oder kannst du schlechter schlucken, geh sofort zum zahnärztlichen Notdienst.
Was tun, wenn Ibuprofen nicht mehr hilft?
Geh noch heute oder spätestens am nächsten Tag zum Zahnarzt, am Wochenende und an Feiertagen zum zahnärztlichen Notdienst. Bei einer fortgeschrittenen Pulpitis kann es passieren, dass selbst Ibuprofen kaum noch wirkt, weil eine Tablette gegen den Druck im entzündeten Zahn nicht mehr ankommt. [1] Dann hilft meistens nur noch die Behandlung am Zahn: Der Zahnarzt öffnet ihn und entfernt den entzündeten Nerv. Danach lässt der Schmerz in der Regel schnell nach. [3]
Nimm bis dahin nicht mehr als die Tageshöchstdosis, und kombinier nicht auf eigene Faust mehrere Schmerzmittel, sondern frag in der Apotheke. [11]
Hilft ein Antibiotikum bei einer Zahnwurzelentzündung?
Allein nicht. Ein Antibiotikum verteilt sich über das Blut im Körper. Ins Innere eines Zahns mit abgestorbenem Nerv gelangt es kaum, weil dort kein Blut mehr fließt, und die Bakterien darin überleben. [4] Die Ursache muss am Zahn beseitigt werden, meistens mit einer Wurzelbehandlung. Hat sich ein Abszess gebildet, lässt der Zahnarzt zusätzlich den Eiter ab. Ist der Zahn nicht zu retten, wird er gezogen. Laut der Europäischen Gesellschaft für Endodontologie (ESE), der Fachgesellschaft für Wurzelbehandlungen, lassen sich die meisten dieser Entzündungen so ganz ohne Antibiotikum behandeln. [4]
Ein Antibiotikum kommt zusätzlich infrage, wenn sich die Entzündung ausbreitet, etwa mit Fieber, einer Schwellung, die größer wird, oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Dann wirkt es in dem gut durchbluteten Gewebe, in das die Entzündung vorgedrungen ist. [4, 6] Auch dann ersetzt es die Behandlung am Zahn nicht. Ohne sie bleibt die Ursache bestehen, und die Entzündung kann wiederkommen. [6]
Bei einer Pulpitis wird ein Antibiotikum nicht empfohlen. Der Schmerz kommt hier von der Entzündung und dem Druck im geschlossenen Zahn, und daran ändert ein Antibiotikum nichts. [4] Wenn du ein Antibiotikum nimmst und die Zahnschmerzen nicht besser werden, liegt das also nicht unbedingt am falschen Mittel. Der Schmerz lässt erst nach, wenn der Zahn behandelt ist.
Ob du ein Antibiotikum brauchst, entscheidet ein Zahnarzt anhand des Befunds. Hast du Fieber oder eine Schwellung, die größer wird, ist das der Zahnarzt im Notdienst, denn dann muss auch der Zahn sofort behandelt werden.
Wie lange dauert es, bis ein Antibiotikum am Zahn wirkt?
Ob es wirkt, zeigt sich meist nach zwei bis drei Tagen, zum Beispiel daran, dass die Schwellung zurückgeht und du dich weniger krank fühlst. Dann sollte dein Zahnarzt nachsehen und entscheiden, wie lange du es noch nimmst. Insgesamt reichen laut ESE in der Regel drei bis sieben Tage. [4]
Nimm das Antibiotikum so lange, wie es verordnet wurde, und setz es nicht eigenmächtig ab, auch wenn es dir schon nach wenigen Tagen besser geht. Übrig gebliebene Tabletten solltest du nicht für später aufheben. [13] Der Zahn selbst muss trotzdem behandelt werden. Wird die Schwellung trotz Antibiotikum größer oder bekommst du Fieber, geh sofort zum zahnärztlichen Notdienst.
Wie erkennt der Zahnarzt eine Zahnwurzelentzündung?
Dein Zahnarzt fragt nach deinen Beschwerden, sieht sich den Zahn an, macht zwei einfache Tests und in der Regel ein Röntgenbild. Beim Kältetest hält er etwas Kaltes an den Zahn, meist Watte mit Kältespray, und prüft so, ob der Nerv noch reagiert. Beim Klopftest klopft er vorsichtig auf den Zahn. Hält der Kälteschmerz lange an, spricht das für eine fortgeschrittene Pulpitis. Reagiert der Zahn gar nicht auf Kälte und tut beim Klopfen weh, spricht das für einen abgestorbenen Nerv und eine Entzündung an der Wurzelspitze.
Was zeigt das Röntgenbild?
Auf dem Röntgenbild sieht dein Zahnarzt, wie tief die Karies reicht, wie die Wurzelkanäle verlaufen und ob sich an der Wurzelspitze etwas verändert hat. [1] Eine Entzündung an der Wurzelspitze löst den Knochen dort auf, und die Stelle erscheint auf dem Bild als dunkler Fleck. So fällt auch eine Entzündung auf, die keine Beschwerden macht. [1]
Eine Pulpitis ist auf dem Röntgenbild dagegen nicht zu sehen. Man erkennt höchstens, dass die Karies bis dicht an den Nerv reicht. Auch eine frische Entzündung an der Wurzelspitze zeigt sich oft noch nicht, weil sich der Knochen erst mit der Zeit auflöst. Ein unauffälliges Röntgenbild heißt also nicht, dass mit dem Zahn alles in Ordnung ist. Die Tests am Zahn sind genauso wichtig.
Wenn du nicht verstehst, was auf deinem Röntgenbild zu sehen ist, frag in der Praxis nach. Welcher Zahn in deinem Befund gemeint ist, erkennst du an der Zahnnummer.
Wie wird eine Zahnwurzelentzündung behandelt?
Meistens mit einer Wurzelbehandlung. Ziel ist, die Entzündung zu beseitigen und den Zahn möglichst zu erhalten. [3] Welche Behandlung nötig ist, hängt davon ab, wie weit die Entzündung fortgeschritten ist.
Bei einer frühen, umkehrbaren Pulpitis reicht es oft, die Karies zu entfernen und den Zahn mit einer Füllung zu verschließen. Der Nerv kann sich dann erholen. [3]
Bei einer fortgeschrittenen Pulpitis oder wenn der Nerv schon abgestorben ist, braucht der Zahn in der Regel eine Wurzelbehandlung. Hat sich ein Abszess gebildet, lässt der Zahnarzt zuerst den Eiter ab, damit der Druck nachlässt. [6] Bei der Wurzelbehandlung entfernt er unter örtlicher Betäubung den entzündeten oder abgestorbenen Nerv aus den Wurzelkanälen. Dann reinigt er die Kanäle, füllt sie und verschließt den Zahn. [2] Dafür sind oft mehrere Termine nötig. [8]
War der Zahn schon einmal wurzelbehandelt, wird die alte Wurzelfüllung entfernt, und die Kanäle werden noch einmal gereinigt und neu gefüllt. Das nennt man Revision. [14]
Manchmal heilt die Entzündung an der Wurzelspitze auch nach einer Wurzelbehandlung oder Revision nicht aus, oder die Wurzelspitze ist durch den Zahn nicht mehr zu erreichen, etwa weil ein Stift im Kanal steckt, der eine Krone hält. Dann kommt eine Wurzelspitzenresektion infrage, ein kleiner chirurgischer Eingriff. Dabei öffnet der Zahnarzt Zahnfleisch und Knochen über der Wurzelspitze, entfernt das entzündete Gewebe samt der Spitze der Wurzel und verschließt den Kanal von dort aus. [5]
Lässt sich der Zahn nicht erhalten, zum Beispiel wegen eines tiefen Risses oder weil zu wenig gesunde Zahnsubstanz übrig ist, wird er gezogen. Wird der Zahn rechtzeitig behandelt, bleibt er aber oft noch lange erhalten. [1] Ob es besser ist, den Zahn zu erhalten oder durch ein Implantat zu ersetzen, hängt vor allem davon ab, wie viel gesunder Zahn übrig ist und wie gut die Aussichten der Behandlung sind.
Wie lange dauert es, bis die Entzündung abheilt?
Das dauert wenige Tage bis mehrere Monate, je nachdem, wo die Entzündung sitzt. Nach einer Wurzelbehandlung werden die Schmerzen meist schon am ersten Tag deutlich schwächer. Nach einer Woche hat nur noch etwa einer von zehn Behandelten Schmerzen. [15] Bei einer Entzündung an der Wurzelspitze braucht der Knochen aber mehrere Monate, manchmal länger, um zu verheilen. Ob er heilt, sieht dein Zahnarzt auf einem Kontroll-Röntgenbild. [5]
Ein Druckgefühl beim Kauen kann nach der Behandlung noch eine Weile bleiben. Was dabei normal ist, beschreibt der Artikel Schmerzen nach der Wurzelbehandlung.
Was zahlt die Krankenkasse?
Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt eine Wurzelbehandlung, wenn sich der Zahn damit voraussichtlich erhalten lässt. Bei den hinteren Backenzähnen muss zusätzlich einer dieser Gründe vorliegen: Ohne den Zahn entstünde eine Lücke in einer sonst geschlossenen Zahnreihe, die Zahnreihe würde auf einer Seite hinten kürzer, oder der Zahn hält funktionstüchtigen Zahnersatz wie eine Brücke oder eine Prothese. [2] Trifft keiner dieser Gründe zu, bezahlt die Kasse die Wurzelbehandlung an diesem Zahn nicht. Du kannst sie dann privat bezahlen.
Auch sonst gehört nicht alles, was bei einer Wurzelbehandlung möglich ist, zur Kassenleistung. [2] Frag deshalb vor der Behandlung, welche Leistungen privat berechnet werden, ob und warum sie sinnvoll sind und was sie kosten. Wenn du privat versichert bist, hängt die Erstattung von deinem Tarif ab.
Zahnwurzelentzündung bei Krone, Brücke oder Wurzelfüllung
Bei dentinostic betreffen viele Anfragen Zähne, die schon behandelt sind: mit einer Krone, als Pfeiler einer Brücke oder mit einer Wurzelfüllung von vor Jahren. Auch an diesen Zähnen kann eine Zahnwurzelentzündung entstehen, und oft stellt sich dann die Frage, ob sich der Zahn noch erhalten lässt. Wird dir geraten, ihn zu ziehen, lass dir erklären, warum er nicht zu retten sein soll. Bist du unsicher, kannst du eine Zweitmeinung einholen.
Zahn unter einer Krone
Unter einer Krone steckt weiterhin der eigene Zahn, oft noch mit lebendem Nerv. Am Rand der Krone können sich Beläge sammeln und dort Karies verursachen. [16] Außerdem kann schon das Beschleifen für die Krone den Nerv so stark reizen, dass er später abstirbt und eine Wurzelbehandlung nötig wird. [17] Stirbt der Nerv unbemerkt ab, kann sich unter der Krone eine Wurzelentzündung bilden, obwohl die Krone von außen einwandfrei aussieht.
Was unter der Krone vor sich geht, sieht man von außen nicht, auch nicht auf einem Foto. Dafür braucht dein Zahnarzt eine Untersuchung und in der Regel ein Röntgenbild. Wenn der Zahn unter der Krone schmerzt und in der Praxis nichts gefunden wurde, lies auch Zahnschmerzen unter der Krone.
Pfeilerzahn einer Brücke
Eine Brücke ist meistens auf überkronten Zähnen befestigt, den Pfeilerzähnen. Für die Pfeilerzähne gilt dasselbe wie für jeden anderen überkronten Zahn. Entzündet sich ein Pfeilerzahn an der Wurzelspitze, tut beim Kauen oft der ganze Bereich der Brücke weh, und du kannst schwer sagen, von welchem Zahn der Schmerz kommt.
Ob sich der Pfeilerzahn mit einer Wurzelbehandlung erhalten lässt und ob die Brücke dafür abgenommen werden muss, hängt vom Befund ab. Manchmal kann der Zahnarzt durch die Krone hindurch behandeln und das Loch danach wieder verschließen, sodass die Brücke bleiben kann. Muss der Pfeilerzahn dagegen gezogen werden, fehlt der Brücke ein Halt, und du brauchst in der Regel neuen Zahnersatz. Weil der Zahn die Brücke hält, bezahlt die Kasse die Wurzelbehandlung auch an einem hinteren Backenzahn, wenn er sich damit voraussichtlich erhalten lässt. [2]
Soll der Pfeilerzahn gezogen und die Brücke erneuert werden, findest du im Artikel Zahn ziehen oder erhalten? die Fragen, die du dazu stellen solltest. Für den neuen Zahnersatz bekommst du einen Heil- und Kostenplan, also einen Kostenvoranschlag, den die Krankenkasse vorab genehmigt. Auch den kannst du prüfen lassen.
Wurzelbehandelter Zahn
Auch ein wurzelbehandelter Zahn kann sich wieder entzünden, und zwar an der Wurzelspitze. Eine Pulpitis bekommt er in der Regel nicht mehr, weil sein Nerv entfernt wurde. In den fein verzweigten Wurzelkanälen können aber Bakterien überleben, oder sie dringen durch eine undichte Füllung oder Krone neu ein. [14]
Auf Kälte oder Wärme reagiert ein solcher Zahn normalerweise nicht mehr. Wie bei jeder Entzündung an der Wurzelspitze kann er aber beim Kauen wehtun oder drücken, und das Zahnfleisch darüber kann anschwellen.
Viele dieser Zähne lassen sich mit einer Revision oder einer Wurzelspitzenresektion erhalten, die oben bei der Behandlung beschrieben sind. [5, 14]
Was kann eine Online-Einschätzung?
Bei einer Online-Einschätzung sagt dir ein Zahnarzt, wie dringend deine Beschwerden sind, was dir bis zum Termin hilft und welche Fragen du in der Praxis stellen solltest. Die Zahnwurzelentzündung selbst sicher erkennen und behandeln kann nur ein Zahnarzt vor Ort. Dafür braucht er eine Untersuchung, Tests wie den Kältetest und in der Regel ein Röntgenbild. Auf einem Foto ist nicht zu sehen, was an der Wurzelspitze passiert. Hast du schon eines der Warnzeichen, warte nicht auf die Einschätzung, sondern geh gleich zum Notdienst.
Bei dentinostic beantwortest du für die Einschätzung Fragen zu deinen Beschwerden, zum Beispiel seit wann du sie hast, wodurch sie ausgelöst werden und ob der Zahn schon behandelt wurde. Dann machst du ein Foto der Stelle. Darauf kann der Zahnarzt ein Loch erkennen, eine abgebrochene Füllung, eine Schwellung am Zahnfleisch oder eine Fistel. Weitere Fotos, etwa von einer geschwollenen Wange, sind freiwillig. Der Fragebogen fragt auch nach Röntgenbildern. Eine Kopie deiner Röntgenbilder muss dir deine Praxis auf Wunsch geben. Hast du eine, lädst du sie als Datei oder Foto hoch. Ein Foto vom Bildschirm in der Praxis geht auch.
Ein Zahnarzt schätzt deinen Fall innerhalb von 24 Stunden ein, mit den Paketen Plus und Premium in unter 6 Stunden. Wenn es medizinisch begründet ist, stellt er dir auch ein Rezept aus, zum Beispiel für ein Schmerzmittel oder eine Mundspülung.
Du hast Zahnschmerzen und bekommst erst in ein paar Tagen einen Termin? Bei dentinostic sieht sich ein Zahnarzt deine Fotos und Angaben an und sagt dir, wie dringend es ist und was du bis zur Behandlung tun kannst. Du kannst sofort anfangen, bekommst die Einschätzung innerhalb von 24 Stunden und zahlst einmalig ab 29 €.
Mein Fazit
Eine Zahnwurzelentzündung ist eine Entzündung des Zahnnervs, die Pulpitis, oder an der Wurzelspitze, die apikale Parodontitis. Eine fortgeschrittene Pulpitis tut meist stark weh, besonders bei Kälte, Wärme und nachts. Die apikale Parodontitis schmerzt vor allem beim Kauen, kann eine Schwellung machen oder ganz unbemerkt bleiben. Von allein heilt eine Zahnwurzelentzündung in der Regel nicht, auch wenn der Schmerz nachlässt, und ein Antibiotikum allein reicht nicht.
Wird die Schwellung größer, bekommst du Fieber, kannst du schlecht schlucken oder den Mund kaum öffnen, musst du sofort zum Notdienst. Bei Atemnot ruf die 112. Ohne diese Warnzeichen ist es kein Notfall. Bei starken Schmerzen solltest du aber noch heute oder spätestens am nächsten Tag zum Zahnarzt. Bis dahin lindern Kühlen und ein Schmerzmittel nach Packungsbeilage die Beschwerden. Wird die Entzündung rechtzeitig behandelt, lässt sich der Zahn in vielen Fällen erhalten, auch unter einer Krone, als Pfeiler einer Brücke oder wenn er schon wurzelbehandelt ist.
